Roger Waters The Wall am 10.06.2011 in Hamburg

Schon beim Eintritt in die O2-World Halle in Hamburg zeigt sie Präsenz: Die Mauer – The Wall. Zwar ist sie nur noch nicht geschlossen, doch sie ragt schon von der rechten und linken Seite auf die Bühne. Das Hallenlicht geht aus und zwei Soldaten schleppen Pink auf die Bühne. Die wichtigste Szene des Filmes „Spartacus“ wird akustisch eingespielt. (Als Spartacus“ angeklagt werden soll, melden sich nach und nach alle Anwesenden zu Wort und behaupten Spartacus zu sein. Nach einem Trompeten-Solo (Outside The Wall) setzt unvermittelt die Band mit brachialer Gewalt ein und gewaltige Pyro-Technik wird abgefeuert.

Und so setzt sich das Konzert (oder die Rock-Oper(?)) mit akustischen und optischen Eindrücken fort. Das komplette Album „The Wall“ wird gespielt, dazu kommen zwei dort nicht vorhandene Stücke hinzu. Die runde Leinwand über der Bühne und die sich immer weiter schließende Mauer werden für die gestochen scharfe Projektion genutzt. Eine riesige Fläche, die die Performance der Musiker und damit die Geschichte von Pink untermalt.

 

Die Geschichte ist schnell erzählt und doch komplex: Pink baut durch verschiedene Kindheits- und Jugend-Traumata eine Mauer um sein Ich auf, die scheinbar undurchdringbar erscheint.

Diese Mauer schließt sich mit jedem Stück Musik ein wenig mehr, bis schließlich der letzte Stein die letzte Lücke ausfüllt und damit die Musiker und das Publikum voneinander trennt.

Neben den Projektionen gibt es weitere Highlights Ein deutsches Weltkrieg-2-Flugzeugmodell streift die Mauer und explodiert. Riesige Marionetten verkörpern den Lehrer, der die Schüler quält während er von seiner Frau gequält wird, die Freundin und die Mutter von Pink.

Als die Mauer komplett geschlossen ist, wird das Publikum in die Pause geschickt. Nach dieser spielt die Band durch die Wand getrennt die ersten Stücke. Ein unglaubliches Gefühl.

Roger Waters (Pink) agiert nun alleine vor der Wand. Er schildert die Stationen, die zur Wand geführt haben. Hier ist besonders ein Duett mit dem zweiten Solo-Sänger zu nennen. Waters steht auf der Bühne und der Sänger oben auf der Mauer. Gerade der Song „Comfortably Numb“ mit den genialen Gitarren-Soli führt zur Gänsehaut. Roger Waters agiert mit der Wand. Diese bzw. die Projektionen reagieren auf sein Spiel. So schlägt er dagegen und die Wand explodiert quasi. Beeindruckend!

Eine zweite Bühne wird vor der Mauer hochgefahren und das Konzert der „Nazi“-Band beginnt. „The Show Must Go On“, „In The Flesh“, „Run Like Hell“ und „Waiting For The Worms“ werden gespielt. Die Musiker sind schwarz uniformiert und wirken mit den Abzeichen wie eine SS-Truppe. Durch die Hintergrund-Projektion wird auf Reichsparteitage im 3. Reich angespielt.

Dann „Stop“ und die Gerichtsverhandlung beginnt. Der Richter befiehlt dann, die Wand einzureißen, was dann auch umgehend geschieht.

Die Band spielte gut, doch bisweilen wünschte ich mit David Gilmour an die Gitarre. Gerade „Run Like Hell“ mit dem langen Echo/Delay Vorspiel wurde hier auf wenige Sekunden verkürzt. Das Schlagzeug „knallte“ mir nicht genug bei den Titeln vor der Mauer. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Dampf gewünscht.

Beeindruckend war auch das Duett, das Roger Waters mit seinem 30 Jahre jüngeren Ich (ein einer Video-Einspielung) gesungen hat. Eine wahrhaftige Zeitreise.

Was meinem Sitznachbar und mir auch nicht gefallen hat, war der Flachbildschirm im Wohnzimmer bei „Nobody Home“. Hier hätte eine Röhre besser gepasst.

Ein paar Buh-Rufe gab es beim Einsatz des Maschinengewehrs. Roger Waters schoss (virtuelle, akustische) Salven direkt ins Publikum. Das schien nicht bei allen gut angekommen zu sein.

Das Konzert (oder die Rockopern(?)) war durch den guten Sound und vor allem durch das Spiel mit Licht und Projektion auf alle Fälle sehenswert. Dabei hatte ich nie den Eindruck, dass die Technik um der Technik willen eingesetzt worden ist: sie hat immer die Musik unterstützt. Ein eindrucksvolles Erlebnis.

Set-List (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Wall_Live_(concert_tour))

Set one
1.In The Flesh?
2.The Thin Ice
3.Another Brick In The Wall, Part 1
4.The Happiest Days Of Our Lives
5.Another Brick In The Wall, Part 2
6.Mother
7.Goodbye Blue Sky
8.Empty Spaces
9.What Shall We Do Now? *)
10.Young Lust
11.One Of My Turns
12.Don’t Leave Me Now
13.Another Brick In The Wall, Part 3
14.The Last Few Bricks *)
15.Goodbye Cruel World

Set two
1.Hey You
2.Is There Anybody Out There?
3.Nobody Home
4.Vera
5.Bring The Boys Back Home
6.Comfortably Numb
7.The Show Must Go On
8.In The Flesh
9.Run Like Hell
10.Waiting For The Worms
11.Stop
12.The Trial
13.Outside The Wall

*) Nicht auf dem Original Album


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