Karsten Kruschel. Vilm. Das Dickicht.

Vilm3Karsten Kruschel. Vilm. Das Dickicht. Wurdack Verlag 2013.

Ein Planet, auf dem es immer nur regnet. Eine Fauna und eine Flora, die fremdartiger nicht sein kann. Bisweilen weiß man nicht einmal, ob man ein Tier oder eine Pflanze vor sich hat – oder eine Mischung aus beidem. Eine fremdartige Welt, umspannt vom Dickicht, dem Supergestrolch, bewohnt von so gefährlichen Lebewesen, dass das eigene Leben immer bedroht zu sein scheint.

Und doch leben Menschen auf Vilm, dem Regenplaneten. Oder sind es gar keine Menschen mehr, die sich hier so wunderbar an das Leben angepasst haben? Denn nicht immer lebten Menschen auf dem Planeten.

Der Weltenkreuzer VILM VAN DER OOSTERBRIJK war vom Kurs abgekommen und über dem Planeten in seine Einzelteile zerborsten. Nur wenige Menschen überlebten die Katastrophe. Doch sie waren gestrandet auf eben dieser unwirtlichen Welt, die sie VILM nannten. Doch sie arrangierten sich dem Planeten und wollten nicht gerettet werden. Die Kinder erkrankten und einige starben. Doch die Überlebenden gingen eine Symbiose mit ihrer neuen Umwelt ein. Sie waren nicht mehr allein, denn eine nicht zu erklärende Bindung machte aus einem Menschen und einem sechsbeinigen hundeähnlichen mit  zwei Köpfen ein neues duales Geschöpf. Mensch und Tier waren starteten in einem neues Leben mit zwei Körpern und einem quasi verteiltem Bewusstsein.

Die ersten Jahre auf dem Planeten VILM beschrieb der Autor in den Bänden „Der Regenplanet“ und „Die Eingeborenen“. Nun liegt ein neuer Band mit „Das Dickicht“ vor.

Und wieder gelingt es Karsten Kruschel, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Schilderung der Doppelwesen von VILM ist noch intensiver geworden. Plastisch beschreibt er, wie sie denken und fühlen und wie sie leben. Ein völlig anderes Leben als wir es kennen. Man hat sich auf VILM eingerichtet. Vieles ist erforscht worden und man hat sich mit der Umwelt arrangiert. Doch das Dickicht birgt immer noch Geheimnisse.

VILM wird interessant für die vielen Interessensgruppen der Galaxis. Es gibt Botschaften der verschiedensten Völker, die alle aus den Menschen der Erde hervorgegangen sind. Da ist die Goldene Bruderschaft, ein profitorientierter Orden. Mit technischen Implantaten verbesserte Menschen. Aber auch die Päpste von Vatikan und die Technokraten vom Flottenkommando auf Atibon Legba  richten ihr Augenmerk auf den Planeten.

Karsten Kruschel kann nun seine Charaktere auf die schon in den vorangegangenen Bänden vorbereitete Bühne setzen und sie agieren lassen. Er schildert das fremdartige Leben auf VILM in eine brillanten Art und Weise. Es gelingt ihn, dass der Leser sich in die fremde Denkweise einfühlen kann. Für die Menschen ist das Leben alltäglich geworden, mag es für Außenstehende  auch noch so seltsam wirken. Doch der exotische Reiz macht gerade die Geschichte aus. Dem Leser wirken die Figuren vertraut. Dies ist dem Autor hoch anzurechnen!

„Das Dickicht“ ist der beste der drei VILM-Romane (vier, wenn man das Buch Galdäa hinzuzählt, dass zwar nicht auf VILM aber dennoch im gleichen Universum spielt).

Dies mag darin begründet sein, dass die Umgebung bereits bekannt ist und der Autor nicht viel beschreiben muss, sondern sich gleich auf die Geschichte und seine Charaktere konzentrieren kann. Die Story ist schlüssig, die Personen glaubwürdig. Das Dickicht ist ein Roman in einer exotischen Kulisse, die aber von Anfang an nicht exotisch wirkt. Die Doppelpersonen wirken wie normal, wie selbstverständlich.

Die Geschichte ist nichts Besonderes, nichts, was man schon mehrfach gelesen hat. Doch das Zusammenspiel mit den Charakteren, dem Ambiente und den vielen Ideen, das Leben auf VILM zu beschreiben schon sehr einzigartig.

Für mich ein Kandidat für die SF-Preise des nächsten Jahres. Und was gibt es über ein Buch positiveres zu sagen: Gerne würde man mehr über VILM lesen.

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