Geschichten aus der Asimov-Kellerbar – Klaus Marion

Geschichten aus der Asimov-Kellerbar – Klaus Marion. BoD. ISBN 9-783848-204007

Viele gerade der älteren Fans werden die kennen: Die fiktive Asimov-Keller-Bar mit ihrem so gar nicht fiktiven Wirt Rudolf „Rudi“ Gerstner. 1988  hat sie das Licht der Welt erblickt und in vielen Fanzines sind Begebenheiten abgedruckt worden, die bisweilen so fantastisch waren wie die Science Fiction an sich.

Skurrile Charaktere genossen dort ihr Feierabend-Bier und gönnten sich dazu so manchen edlen Whisky. Ob die vom Wirt kredenzten Drinks und Cocktails nicht doch gegen das „Übereinkommen über das Verbot chemischer Waffen“ verstößt wird vom Tuch des Schweigens oder besser „des Vergessens“ verhüllt und sollte niemals ans Tageslicht kommen.

Der „hoffnungsvolle Nachwuchsautor“ Frank Außenstein und der SF-Künstler Krischan Holl gehören quasi zum Inventar. Frank Außenstein tippt sich die Finger wund und doch will kein Verlag seine Geschichten veröffentlichen. Das Wandgemälde, an dem Krischan Holl seit Jahr und Tag  arbeitet, wird niemals vollendet werden.

Doch die Geschichten der Asimov-Kellerbar drehen sich nicht nur um dieses Dreigestirn von Wirt und Dauer-Stamm-Gästen, denn die Bar hat natürlich auch Gäste. Und das sind durchaus nicht normale Gäste, sondern die Hautevolee der SF-Szene. Und so gibt es – gerade zu fortgeschrittener Stunde – so manche tiefgründige Diskussion. Die Gäste haben mit ihren innovativen Ideen schon so manches Mal wenn nicht die Welt, so doch die Science Fiction gerettet. Zum Beispiel mit Tipps, wie man am preisgünstigsten seine Fanzines verschickt.

Überhaupt wird viel über die SF-Szene, das sogenannte Fandom mit all seinen Facetten, philosophiert. Wie gründet man einen Club, womit beschäftigt man sich, welche Typen laufen so durch die Gegend und überhaupt: Was ist der Sinn des Lebens und kann die SF behilflich sein, den täglichen Wahnsinn zu überstehen, ohne in tiefe Depression zu verfallen? Der Fan an sich ist ja schon komisch, doch der SF-Fan scheint das noch toppen zu wollen. Er beschäftigt ernsthaft sich mit Sachen, von denen die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben. Aber das mag als Ursache haben, dass der SF-Fan in seiner Jugend zu viele Fanzine konsumiert hat, die im Umdruck-Verfahren hergestellt worden sind. Die Spiritus-Dämpfe haben sein Gehirn schon frühzeitig vernebelt und davon haben sich die meisten nie erholt.

Klaus Marion erklärt dem SF-Fan seine Welt, die er selbst nicht begreift. Er begreift sich ja nicht einmal selbst. Und für den Nicht-SF-Fan gibt es eine Einführung in die Geheimnisse dieser Parallel-Welt, die so fern scheint, uns aber in Wirklichkeit umgibt. Die Asimov-Kellerbar ist eine letzte Oase, wo man sich noch mit Menschen treffen kann, die einen verstehen und nicht gleich meinen, dass mit der frühkindlichen Sozialisation etwas nicht ganz richtig geklappt haben muss. Die Bar ist eine Schutzzone, ein Biotop, das es zu erhalten gilt. Sonst sterben die letzten Bekloppten der SF-Szene aus und keiner merkt es.

Damit der die alkoholischen Exzesse hautnah nachvollziehen kann, sind einige Rezepte der konservierenden Drinks abgedruckt. Es fehlt eigentlich nur der Warnhinweis, dass der Genuss dieser Getränke nicht ohne Nebenwirkungen bleiben wird.

Endlich sind die Geschichten der Asimov-Kellerbar in einem Band vereint, nur vorsichtig an die heutige Zeit angepasst.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie SF-Fans und die Idole der Szene, die Autoren in Wirklichkeit ticken, sollte sich dieses Lesevergnügen nicht entgehen lassen. Die Charaktere im Buch scheinen bisweilen erfunden zu sein, doch wer weiß schon, wo die Realität endet und die Fiktion beginnt. Das Nachwort wurde von einem Klaus N. Frick geschrieben, der in einer Parallelwelt jenseits von Raum und Zeit verantwortlich dafür ist, dass die Geschichten des ersten Menschen auf dem Mond jede Woche nacherzählt werden.

Aber: Lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie ihren lokalen Alkohol-Dealer, ob sie das Buch in die Hand nehmen dürfen. Spätfolgen sind nämlich nicht ausgeschlossen.

Übrigens: Die Asimov-Kellerbar ist auch über Facebook zu erreichen: http://www.facebook.com/#!/groups/122854517796744/?fref=ts und dort findet man sie alle wieder.

Similar Posts:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
To prove you're a person (not a spam script), type the answer to the math equation shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the equation.
Click to hear an audio file of the anti-spam equation