Das Tahiti-Projekt von Dirk C. Fleck

tahiti1Das Tahiti-Projekt

von Dirk C. Fleck

344 Seiten Hardcover

mit Schutzumschlag

Zwei Karten

Pendo Verlag

Das Buch spielt im Jahre 2022 und beginnt wie ein Agentenkrimi. Die Familie von Prof. Thorwald Rasmussen wird im eigenen Haus umgebracht. Nur der Professor kann den Killern entkommen.



Die nächste Person wird vorgestellt: Cording. Den Vornamen – Maximilian – erfährt der Leser erst viel später. Cording ist Journalist und arbeitet für das EMERGENCY Magazin. Er soll einen Artikel über die Öko-Krieger von „Earth First!“ schreiben. Sie wollen verhindern, dass einer der letzten Nationalparks abgeholzt werden. Gegen die Aktivisten wird mit voller Härte vorgegangen und es gibt dabei auch Tote. Sein nächster Einsatz ist der Bericht über ein Walsterben. Daraufhin wird er dringend in die Redaktion nach Hamburg zurückbestellt. Cording ist ausgebrannt, denn die Berichterstattungen haben ihm stark zugesetzt. Am schlimmsten ist für ihn, dass EMERGENCY nicht unabhängig berichten kann, da es größtenteils von Industriewerbung finanziert wird. Sein Chefredakteur gibt ihm daraufhin erst einmal Urlaub. Cording zieht sich komplett zurück. Dann soll er einen neuen Auftrag bekommen. Es soll nach Tahiti reisen. Dort gebe es ein Öko-Paradies mit einer neuen Gesellschaftsform. Die EU will für dieses „Tahiti-Projekt“ die Gelder einfrieren. Mit einer positiven Berichterstattung eingeladener Journalisten aus der ganzen Welt soll dem entgegengesteuert werden. Cording war vor 9 Jahren bereits auf Tahiti gewesen und kennt den Präsidenten Omai. Cording bekommt als Begleitung Steve Parker, den achtzehnjährigen Sohn der Londoner Chefredakteurin, aufs Auge gedrückt.

Der Journalist versucht auf Tahiti, zu sich selbst zu finden. Währenddessen spielt seine Begleitung Steve ununterbrochen ein Computerspiel.

Tahiti stellt sich als Paradies heraus. Die Luft ist besser als in Europa und die baulichen Sünden der Vergangenheit sind fast ausgetilgt. Jeder der Journalisten bekommt eine einheimische Begleitung, die die Insel, das Gesellschaftssystem, die Ökologie und Ökonomie erläutern soll. Tahiti hat sich konsequent in Richtung einer menschenachtenden, umweltschonenden Gesellschaft entwickelt. Viele radikale Ideen sind umgesetzt worden. Es gibt keine Privatautos mehr. Wer sein altes Fahrzeug abgegeben hat, bekam eine Abwrackprämie bzw. Umweltprämie vom Staat! Der Geldfluss ist eingeschränkt. Die Rohstoffe werden sinnvoll eingesetzt und abbaubare Materialien überall eingesetzt.

Maximilian Cording beginnt wieder zu leben und auch Steve, der sich fast ausschließlich mit dem Spiel „World Warrior V“ beschäftigt hat, entdeckt das Leben außerhalb der Computersimulation.

Doch dieses Idyll wird bedroht. Die Amerikaner bzw. der hinter der Regierung stehende Konzern „Global Oil“ beginnen insgeheim mit gigantischen Ernteschiffen Rohstoffe vor den polynesischen Inseln abzuernten.

Durch ein Computerleck und über Prof. Rasmussen, der nach Tahiti vor seinen Verfolgern fliehen konnte, bekommen Cording und Omai diese brisante Information. Von der Luft aus, sind die Ernteschiffe dank holografischer Tarnvorrichtung nicht zu entdecken. Erst Krieger mit Einbäumen durchdringen den Schirm und sehen die Wahrheit.

Cording und Steve Parker beginnen den tahitischen Präsidenten Omai als eine Art Öko-Gandhi zu etablieren und nehmen den – friedlichen – Kampf gegen die Weltpolitik und die Konzerne auf.

Der Autor Dirk C. Fleck schreibt die Geschichte um den Journalisten Cording und den Präsidenten Omai, um Tahiti als autonome Spielwiese für radikale ökologische und ökonomische Ideen nutzen zu können.

Im Buch wird eine konsequente Weiterentwicklung der heutigen Verhältnisse beschrieben. Die Lücke zwischen Arm und Reich, sowohl innerhalb Deutschlands, als auch zwischen den Staaten, klafft noch größer als heute. Die Arbeitslosen werden mit Medikamenten im Essen ruhiggestellt. Europa geht es dank der Rohstofflieferungen und der vorsichtigen Orientierung auf alternative Energien noch recht gut. Amerika hat es da nicht so gut getroffen und die Politik wird korrumpiert und von den Großkonzernen bestimmt.

Fleck zitiert neben der Theorie des „Equilibrismus“ das Buch „Ökotopia“ von Ernest Callenbach aus dem Jahre 1975. Callenbach beschreibt dort eine fiktive Reportage im Jahre 1999 über mehrere amerikanische Staaten, die sich von den USA losgesagt haben und ähnlich wie Tahiti alternative Formen von Wirtschaft und Zusammenleben propagieren. Aber der Roman „Ökotopia“ ist heute mehr als 30 Jahre alt. Die technische Entwicklung in der „Realwelt“ ist während dieser Zeitspanne enorm gewesen. Fleck lässt Cording und Omai über Steve Parker das Internet als freies nicht kontrollierbares Meinungsmedium konsequent nutzen. Es gibt heute neue Erkenntnisse in der Solar- und Windenergie und der Ausnutzung von Meeresströmung. So stellt sich das „Tahiti-Projekt“ als konsequente Weiterentwicklung der Ideen von Callenbach dar.

Vom erzählerischen ist Fleck leichter zu lesen als Callenbach, auch wenn einige Passagen gegen Ende des Buches leicht kitschig anmuten.

Viele Verweise und Links ins Internet geben dem Leser die Möglichkeit, neben der Romanlektüre, sich in die verschiedenen Themen einzuarbeiten und die Machbarkeit einzelner Ideen selbst zu überprüfen.

Dirk C. Fleck hat mit einigen erzählerischen Schwächen eine Utopie im wahrsten Sinne des Wortes geschildert. Dass sich alles zum Guten wendet, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige der geschilderten Zukunftsvisionen Anlass zu größter Besorgnis geben.

Ein wirklich lesenswertes Buch, das zu Recht für den Deutschen Science Fiction Preis (DSFP) des Science Fiction Clubs Deutschland (SFCD) nominiert worden ist.

http://www.tahiti-project.org

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