Susanna Clarke – Piranesi

Susanna Clarke – Piranesi (Originaltitel: Piranesi)

Karl Blessing Verlag München, Oktober 2020, Hardcover, 272 Seiten, übersetzt von Astrid Finke, ISBN: 978-3896676726

Piranesi wohnt in Dem Haus. Das Haus besteht aus drei Stockwerken. Das untere ist überflutet und das obere in den Wolken. Das Haus hat viele Räume, Säle und Innenhöfe. Hier stehen unzählige Statuen, die Menschen in verschiedensten Situationen zeigen.

Piranesi führt ein Tagebuch uns ist dabei, ein Verzeichnis zu erstellen, in dem er den Standort, Größe und Thema aller Statuen erfasst.

Er lebt alleine in dieser labyrinthischen Welt. Zweimal die Woche, dienstags und freitags, bekommt er Besuch vom Anderen. Diese Besuche dauern jeweils genau nur eine Stunde. Der Andere hat dem Protagonisten den Namen Piranesi gegeben. Soweit er sich aber erinnert, ist dies nicht sein Name.

Dreizehn Skelette sind im Haus verteilt, die Piranesi versucht hat zu beschreiben.

Dies ist seine Welt, in der er nur unterbrochen von den Besuchen des Anderen sein Leben lebt.

Doch dies ändert sich. Der Prophet erscheint in dieser Welt und gibt Piranesi Informationen, die ihm der Andere vorenthalten hat. Und 16 kommt zur Sprache (die sechszehnte Person in der Welt: Piranesi, Der Andere und die dreizehn Skelette sind die 15). Der Andere hat Piranesi vor 16 gewarnt. 16 würde ihm den Wahnsinn bringen. Der Prophet hingegen sagt, dass 16 auf der Suche nach Piranesi sei.

Dies beunruhigt Piranesi und er schlägt in seinen Tagebüchern nach, die akribisch mit Registern von ihm versehen worden sind. Er findet dort Einträge, an die er sich nicht erinnert, die aber die Worte des Propheten bestätigen. Piranesi bekommt immer mehr Zweifel an dem, was der andere sagt und verheimlicht ihm den Kontakt mit dem Propheten.

16 taucht in der Welt auf und Piranesi ist zunächst vorsichtig, nimmt dann aber Kontakt zu ihr, Raphael,  auf, denn 16 ist eine Frau. Was sie ihm sagt, erscheint ihm unerklärlich. Sein Name sei Matthew Rose Sorensen und er sei vor geraumer Zeit verschwunden. Nun habe sie ihn in dieser Welt gefunden.

Der Roman benötigt am Anfang ein wenig, um den Leser einzufangen, denn die Autorin wirft ihn in die Welt von Piranesi, die nicht die unsere ist. Sie ist bekannt und nah und doch weit entfernt. Das Leben von Piranesi ist so anders, so einfach im Gegensatz zur Hektik der Welt draußen und der andere möchte, dass  Piranesi in dieser Welt gefangen bleibt. Piranesi hat auch nichts dagegen, denn er liebt sein einfaches Leben in Der Welt, Dem Haus.

Doch Piranesi und damit auch der Leser bekommen immer mehr Informationen, was in der Vergangenheit geschehen ist und warum Piranesi in dieser, seiner eigenen Welt wohnt. Piranesi oder besser Matthew Rose Sorensen gehörte zum Umfeld eines Wissenschaftlers, der sich mit der Wirklichkeit präkognitiver Welten beschäftigte und besessen davon war, sich wieder Zutritt zu diesen zu verschaffen wie es einst unsere Vorfahren konnten. Dieses Wissen war mit Fortschreiten der Zivilisation verloren gegangen. Aber die Welten sind noch vorhanden und Piranesi wurde in einer dieser unfreiwillig verschlagen, ohne die Möglichkeit, alleine zurückzukehren. Die Polizistin Raphael ermöglich ihm dies.

Der Protagonist ist am Ende des Romans wieder in der Welt, die wir kennen. Doch was er wirklich ist, weiß er selbst nicht. Er denkt als Ich-Erzähler von Piranesi und von Matthew Rose Sorensen in der dritten Person. Er ist nicht zu Hause, sondern er ist hier.

Der Roman weiß den Leser zu packen, wenn er sich auf das Geschehen einläßt. Der ruhige Erzählfluss nimmt den Leser mit und er begleitet Piranesi in seiner eigenen Welt, die der unseren so nah und doch so weit entfernt ist. Piranesi erscheint vielen Menschen vielleicht wahnsinnig, doch er ist im Gegensatz dazu bei sich und hat eine andere Sicht auf die Welt und das Sein. Vielleicht ist er dadurch viel glücklicher als alle anderen Menschen?

Der Roman ist im positiven Sinn anders und eine absolute Leseempfehlung.  

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