Dramaturgie eines Abgangs

Um 11.15 Uhr ist laut n-tv eine Erklärung von Herrn zu Guttenberg, in er seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsminister erklären. Der Anruf hat die Kanzlerin wohl auf dem Rundgang der CeBIT erreicht.

Zu Guttenberg hat sich ja lange geziert, diesen Schritt zu machen, doch die öffentliche, politische und gesellschaftliche Meinung lässt ihn wohl keinen anderen Weg mehr. Bei einer telefonischen, nicht repräsentativen Umfrage des Senders waren aber noch 73% gegen eine Entlassung des Ministers.

Nun, er wird ja auch nicht entlassen. So wie es aussieht, kommt er seiner Entlassung zuvor und tritt zurück. Nach einer Beharrlichkeit, die schon an Starrsinn erinnerte, wohl der einzig vernünftige Schritt aus der gesamten Affäre.

Würde sich alles noch weiter hinziehen, so wäre die schon stark angekratzte Reputation überhaupt nicht mehr zu retten. So hat zu Guttenberg noch die Chance des schnellen Vergessens in der schnelllebigen Zeit des 21. Jahrhunderts.

Eine neu aufgebauter Superstar der politischen Szene stolpert über seine eigenen Ehrgeiz, so scheint es. Der junge Doktor, Familienvater, Smilie und frechforsche Politiker, der Mann, den viele sogar als Schwiegersohn akzeptieren würden, muss nun abtreten. Es sei ihn zu gönnen, dass er nun endlich etwas Ruhe bekommt nach dem Spießrutenlauf durch die Medien.

Schade ist nur, das er einer gewesen ist, der die Bundeswehrreform wirklich hätte durchsetzen können, so wie er sich reingehängt hat. Nun haben wieder seine Kritiker und die Kritiker der Reform Oberwasser. Es steht zu befürchten, dass nun aus der dringend notwendigen Reform wieder mal nur ein Reförmchen wird und sich eigentlich nichts ändert, weil sich keiner findet, der die Cochones hat, auch undankbare Entscheidungen schnell durchzusetzen.

Wie werden sehen, wer nach dem Rücktritt das Amt übernimmt und wie er es übernimmt. Und was aus den losen Fäden wird , die zu Guttenberg hinterlässt. Verbrannte Erde ist es noch nicht. Der Minister ist durch die Kundus- und Gorch-Fock-Affäre durchgekommen und nur durch sich selbst gescheitert. Für den Plagiatsvorwurf  konnte nur einer die Verantwortung übernehmen: Er selbst!

Angela Merkel merkt nun, dass sie wie bei der Besetzung von Ministerposten die gleichen Probleme hat wie Dieter Bohlen beim Casting zu „Deutschland sucht den Superstar“: Es sind halt alles nur Menschen. Musiker wie Politiker. Und auch der ehrgeizigste Saubermann kann noch die eine oder andere Leiche im Keller haben.

Und meist ist es besser, selbst zu gehen bevor andere einen gehen lassen…

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