Mediziner im Weltall – 7. Kapitel

Kapitel 7: Einfach ist was anderes

„Wie weit sind wir! Wir haben nur noch 40 Minuten, um die Geräte in Stellung zu bringen.“ Der Commander erwartete von Fish, seinem Sicherheitsingenieur einen Lagebericht. „Den Neutralisator haben wir bereits in Stellung gebracht. Cherry und Dr. Frey sind mit dem Robodoc unterwegs. Probleme macht noch der Magnetresonanz­tomograph, der sich schwer transportieren lässt.“

Ein lautes Knirschen in ihrem Rücken ließ die beiden sich umdrehen. Sie erblickten Dr. Frey, die eine ferngesteuerte Schubkarre lenkte, auf der ein abenteuerlich aussehenden Gerät zu sehen war. Cherry sicherte die Fuhre ab. Commander Weser schaute skeptisch auf den Robodoc. „Und der funktioniert wirklich?“ „Natürlich“, antwortete Dr. Frey und holte zum Beweis eine zweite Fernsteuerung heraus. Sie betätigte mehrere Knöpfe und die Metallarme fingen sich an, in die jeweilig gewünschte Richtung zu drehen. Cherry schaute die junge Bordärztin bewundernd an.

„Noch 30 Minuten bis zum Countdown“, kam eine Stimme über den Bordcomputer. „Wo ist der Tomograph“, die Bordärztin schaute sich fragend um. „Sie sind unterwegs, aber das Ding ist sauschwer und durch den Magnetismus können wir weder schweres Metallgerät zum Transport verwenden, noch Fernsteuerungen. Aber Fleish und Handzam werden sich darum kümmern,“ erklärte Fish. „Na, hoffentlich fällt denen noch etwas ein, weil langsam wird die Zeit knapp und ohne das Ding können wir die Roboter nicht fixieren.“

Etwas tiefer in den Gängen quälten sich zur selben Zeit mehrere Crew-Mitglieder mit dem Tomograph ab. „Das werden wir so nicht schaffen. Die Zeit läuft uns davon.“ Damit fasste Fleish, für realitätsbezogenen Pessimismus bekannt, die Situation knapp und prägnant zusammen. Handzam, durch seine jahrzehntelange Arbeit in den Maschinenräumen verschiedener Raumgleiter gewohnt, nach unorthodoxen Lösungen zu suchen, hatte eine Idee. „Schon mal etwas von Magnetohydrodynamik gehört? Wir müssen das Gerät in ein stark ionisierendes Plasma packen. Durch das Vorhandensein solcher magnetischen Felder im interstellaren Raum können wir es dann sozusagen durch hydrodynamische Bewegung transportieren.“ „Und wie kommen wir an ein solches Plasma?“ „Das ist einfach. Hier sind alle hundert Meter Abwurfschlauchsysteme für unseren Abfall, den wir ins All schmeißen. Wir ziehen unsere Raumanzüge an und holen über die Schlauchsysteme die stark ionisierenden Gase ins Schiff. Sie werden sich automatisch um das magnetisierende Gerät ansammeln und dann können wir alles zusammen wie auf einer rollenden Gasblase in Richtung Aufwachraum lenken.“

In weniger als zehn Minuten wurden die ersten Schläuche geöffnet und die Männer jubelten als der Magnetresonanztomograph sich genau so verhielt wie es Handzam vorausgesagt hatte. Nur die letzten 15 Meter kurz vor der Schleuse bis in den Vorraum mussten noch mit reiner Muskelkraft zurückgelegt werden.

„Mensch, wo bleibt ihr denn. Wir haben nur noch fünf Minuten, um das Gerät in Stellung zu bringen,“ rief Fish vorwurfsvoll, als die letzte Schleuse aufging und er seinem Stellvertreter Fleish gegenüberstand. „Na, das ist ja ein tolle Begrüßung. Anstatt dumme Bemerkungen zu machen, könntest du mit anpacken, dann könnten wir es vielleicht noch schaffen“, schnauzte Fleish zurück. „Das kann man sicher netter sagen, aber inhaltlich hat er recht“, meinte der Commander und stemmte sich gleich gegen das Gerät, um es mit seiner Crew die letzten Meter bis zum vorgesehenen Standort zu schieben. Unter Geächze ging es zentimeterweise voran. Dr. Frey blickte angstvoll auf die Uhr. Nach ein paar Minuten, die der Bordärztin wie Stunden vorkamen, war der Tomograph in Position und Fleish musste das Gerät nur noch auf die Schiebetüren justieren, da kam die Stimme wieder: „Der Countdown läuft. Noch 10 Sekunden bis zur Öffnung der Schleuse zum Aufwachraum! In Stellung gehen! Fünf, vier, drei, zwei , eins…“

„Auf Posititon!“, schrie der Commander. Die Crew im Vorraum starrte gebannt auf die Schleuse, Neutralisator und Magnetresonanztomograf im Anschlag. Dr. Frey stand mit dem Robodoc im Hintergrund. Sie sollte sozusagen die festgesetzten Roboter „umdrehen“.

Mit einem zischenden Geräusch ging die Schleuse auf.

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