Leider bin ich tot von Dietmar Dath

Leider bin ich tot

Leider bin ich totLeider bin ich tot von Dietmar Dath. suhrkamp taschenbuch 2016. 461 Seiten. ISBN: 978-3518466544

Eine detaillierte Inhaltsangabe zu formulieren, fällt schwer, da man den gesamten Text zitieren müsste. Die Geschichte kann dennoch sehr extrahiert wiedergegeben werden. Eine Handvoll Protagonisten, darunter ein Pfarrer, ein Dokumentarfilmer, dessen Schwester, eine ungewollte Prophetin und weitere Charaktere treffen durch viele Schicksalsschläge und Verwirrungen, die sie durchleben müssen, bei einem fulminanten Reunion-Konzert einer Metal-Band zusammen.
Der Pfarrer saß wegen Todschlags im Gefängnis, dem Filmer widerfährt viel Leid und seine Schwester wird als mutmaßliche islamische Terroristin gesucht. Die Prophetin bekommt ein Kind, das sie gezwungen wird, abzugeben und unterzutauchen. Die Mitglieder der Metal-Band trennen sich und finden per Zufall wieder zusammen, um gemeinsam Musik zu machen.
Die Handlung ist nur grob in Kapitel unterteilt. Perspektiven, Handlungsorte und -zeiten wechseln sich munter ab, doch Dietmar Dath gelingt damit eine gute Charakterisierung der handelnden Personen. Nach zwei Dritteln hat man den Verdacht, dass dem Autor der Stoff zu entgleiten scheint und er muss sich als rettenden Anker selbst in den Roman (natürlich als Journalist) hineinschreiben. Doch der Roman steigert sich zu einem fulminanten Ende, das alle offenen Fäden sprich Handlungsstränge zusammenführt. Der Leser darf dabei natürlich nicht hoffen, dass damit alles ge- oder auch erklärt wird. Dem ist bei weitem nicht so. Es bleiben eine Menge Fragen offen.
Grundtenor der Geschichte ist, dass wir als Menschen unsere Umwelt nur zum Teil so wahrnehmen wie sie wirklich ist. Es gibt Mächte, die so verborgen arbeiten, dass nur Wenige deren Wirken wahrnehmen können. Das Begreifen ist dann noch eine andere Facette. Raum und Zeit sind weder linear noch berechenbar, Ursache und Wirkung nicht linear verbunden, wir das der aufgeklärte Zeitgenosse immer meint. Dietmar Dath benutzt dafür Beispiele aus der Meteorologie (Winde), der Optik (Spiegel) und der Religion (Steingott). Der Mensch muss einsehen, dass er die Welt meist falsch sieht. Würde er Zugang zum richtigen Sehen und Verstehen bekommen, würde er viel mehr auch über sich begreifen.
Bisweilen wird Dath eine verschwurbelte Sprache vorgeworfen. Die komplexen Sachverhalte werden in diesem Roman jedoch stilistisch brillant dargestellt. Diesmal sind die Handlungsstränge und die Handlung an sich das herausfordernde Moment. Hier muss sich der Leser auf die Gedankengänge des Autors einlassen. Tut er dieses, so ist der Roman ein wahrer Lesegenuss.

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