Evolution und Schöpfung in neuer Sicht von Hans Kessler

evolutionEvolution und Schöpfung in neuer Sicht von Hans Kessler. Butzon & Becker. 4. Auflage 2012.

Hans Kessler beschäftigt sich in diesem Buch mit der Frage, ob sich der naturwissenschaftliche Ansatz der Evolution und der Glaube an die Existenz Gottes und seiner Schöpfung wirklich so widersprechen, wie es die harten Verfechter der beiden Sichtweisen uns glauben lassen.

Auf der einen Seite stehen die Anhänger der reinen Lehre der naturwissenschaftlichen Lehren, die beweisen wollen, dass es keinen Schöpfer gibt, sondern dass sich die Bewohner der Erde über einen langen Zeitraum evolutionär bis zum heutigen Tag entwickelt haben. Auf der anderen Seite stehen die fundamentalistischen Hardliner, die die Bibel und gerade das 1. Buch Mose – die Genesis – als genaue Schilderung der Entstehung von allem ansehen. Wobei es hier noch Auslegungen geben kann, ob die sechs Tage des Schöpfungsprozesses nicht 6000 Jahre entsprechen.

Kessler bietet aber in seinem Buch Alternativen an. Er ist der Ansicht, dass sich Evolution und Schöpfung nicht ausschließen müssen, sondern dass in beiden Theorien Raum ist für die andere.

In fünf Kapiteln schildert und diskutiert der Autor die verschiedenen Positionen. Den Anfang macht das Aufzeigen von Missdeutungen des Schöpfungsgedankens bei den Kreationisten und den Naturalisten. Es folgt eine Betrachtung der biblischen Schöpfungstexte und deren Auslegungen. Was steht in der Bibel und warum? Ist die Bibel wirklich immer korrekt übersetzt worden im Laufe der Zeit oder haben Interessen dafür gesorgt, dass Passagen anders ausgelegt worden sind oder bei mehreren Deutungsmöglichkeiten eine bestimmte gewählt worden ist. Am Beispiel des Wortes „adám“ lässt sich dies sehr gut zeigen. Es ist ursprünglich der Gattungsbegriff Mensch, wird aber als Eigenname des ersten Menschen interpretiert.

Das nächste Kapitel widmet sich dem „harten weltanschaulichen“ Naturalismus. Alles muss möglichst einfach zu erklären sein.

Auf den folgenden Seiten wird das christliche Verständnis von Gott und seiner Rolle als Schöpfer beleuchtet. Worauf dann  die Evolution im Rahmen des Schöpfungsglaubens betrachtet wird.

Zusammenfassend kommt der Autor zum Schluss, dass sich Schöpfung (durch einen Gott) und der naturwissenschaftliche Evolutionsgedanke nicht widersprechen und nicht ausschließen. Die Wissenschaft beschäftigt sich mit Ursache und Wirkung, will die Welt, wie sie existiert beschreiben. Doch stellt sich die Wissenschaft nicht die Frage nach dem Sinn und dem Grund der Welt. Warum existiert die Welt und damit der Mensch? Welchen Sinn hat die Natur mit all ihrer Vielfalt?

Hier bietet Hans Kessler Gott als „Urgrund“ an, als den, der den Sinn in die Welt gebracht hat und dann der Evolution ihren Weg gehen ließ. So bringt die Schöpfung den Sinn und die Evolution das Werden und Vergehen.

„Evolution und Schöpfung in neuer Sicht“ ist ein sehr interessantes Buch, das theologisch Interessierte, Wissenschaftler und Atheisten gleichermaßen ansprechen kann. Kurz und knapp und mit einem großen wissenschaftlichen Background stellt sich der Autor diesem kontrovers diskutierten Thema. Er möchte damit die Hardliner beider Seiten aufrufen, sich mit den Argumenten  der vermeidlichen Gegner zu beschäftigen. Er zitiert keine obskuren Gottesbeweise. Er lässt modernste wissenschaftliche Erkenntnisse nicht aus, sondern zitiert diese und baut sie in seine Argumentation ein. Das Buch verwendet eine Vielzahl von religiösen, philosophischen und naturwissenschaftliche Quellen. Ein Thomas von Aquin, ein Augustinus, ein Albertus Magnus und Hans Kessler werden ebenso herangezogen wie Steve Hawking, Heisenberg oder der auch aus den Medien sehr bekannte Harald Lesch.

Das Buch ist mit seinem wissenschaftlich orientierten Aufbau und der speziellen Ausdrucksweise dennoch überraschend gut zu lesen, wenn man die ersten 50 Seiten hinter sich gelassen hat. Anfangs wirkt es noch etwas steif, doch der Autor schreibt sich dann richtig warm und seine Begeisterung für das Thema ist zu spüren.

Das Buch ist für alle, die die heutige Welt begreifen wollen, ein wichtiges Werk. Auch wenn nicht gleich alle von den Schlussfolgerungen des Autors sofort überzeugt sein werden, so macht das Buch auf alle Fälle nachdenklich und gibt eine Menge Denkanstöße.

Das Buch kann auf der Verlagsseite bestellt werden.

Der Autor:

Hans Kessler, Dr. theol., geboren 1938, Professor für Systemische Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt a.M., hat sich in seinen Publikationen stets auf die Fragen des christlichen Glaubens konzentriert. So ist z.B. sein Werk über die Auferstehung Jesu (Sucht den Lebenden nicht bei den Toten, 1985; erweiterte Neuausgabe 1995, Topos plus Taschenbuch 2011) sehr bald zum Standardwerk avanciert. Kessler steht seit vielen Jahren in intensivem interdisziplinärem Austausch mit Physikern, Biologen, Philosophen und Theologen zu Fragen von Glaube und Naturwissenschaften. (Klappentext des Buches).

Das Buch wurde über Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt.

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1 Kommentar

  1. Claus

    Das Buch eines Theologen – Überraschungen sind daher wohl nicht zu erwarten.
    Die Themen die hier aufgeworfen werden sind weder neu noch originell.
    (Wenn Gott (oder ein sonstiges Alien) uns erschaffen hat, wer hat dann diesen erschaffen?)
    Ich empfehle von Richard Dawkins „Das egoistische Gen“ und „Der Gotteswahn“.

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