Die Unglückseligen von Thea Dorn

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die-unglueckseligen. Albrecht Knaus Verlag 2016. 560 Seiten. ISBN: 978-3813505986

Die deutsche Molekularbiologin Dr. Johanna Mawet fällt bei einem Forschungsaufenthalt in den USA in einem Supermarkt ein Mann auf, der dort für die Kunden die Einkaufstüten packt. Damit beginnt der neueste Roman von Thea Dorn. Der Mann scheint ob eines nichtigen Grundes auszurasten und verliert dadurch seinen Job. Sie nimmt ihn im Auto mit und damit beginnt eine sehr ungewöhnliche Geschichte. Der Mann nennt sich Johann Ritter, war Physiker und sollte laut Wikipedia bereits 1810 gestorben sein. Johann quartiert sich bei Johanna Mawet ein. Sie stellt fest, dass er phantastische Fähigkeiten der körperlichen Regeneration hat. Als Wissenschaftlerin ist sie natürlich skeptisch, doch Ritter willigt einem Gen-Test ein, der seine Behauptungen zu beweisen scheint. Der sonst so unauffällige Ritter fällt nun in der Gegenwart der jungen Wissenschaftlerin auf und bald bleibt keine andere Möglichkeit mehr als die Flucht oder besser die Rückkehr nach Deutschland, was bei einem Menschen ohne Papiere einiges an Hürden darstellt.  

In Deutschland angekommen, nimmt Johanna eine Auszeit vom Job, um die Langlebigkeit des neuen Mitbewohners zu ergründen. Sie versucht mit dem doch sehr kauzigen Mann dessen Experimente nachzubilden. Doch ihre DNA verändert sich nicht, obwohl sie das Gefühl hat, dass die Forschung etwas bewirkt hat. Schließlich überredet sie Ritter, nicht nur mehr wissenschaftlich mit ihr zu arbeiten und wendet sich den okkulten Lehren zu.

Thea Dorn beschreibt zwei starke Menschen, die beides Wissenschaftler sind oder waren. Dies nur eben in verschiedenen Epochen, die sich vom Ansatz der Forschung, aber auch gesellschaftlich und kulturell unterschieden. Die heutige Wissenschaft mit Ihrer Technik stellt sich ganz anders dar als vor über 200 Jahren.

Beide Menschen verändern sich im Laufe der Handlung. Johanna Mawet beginnt an der ihr bekannten Wissenschaft zu zweifeln und öffnet sich den Grenzwissenschaften und dem Okkulten. Ritter kommt nach und nach wieder zu sich und arbeitet innerlich seine Vergangenheit auf, die von Niederlagen, Schmerzen und Verlusten bestimmt war. Schließlich finden die beiden anfangs so verschiedenen Menschen eine gemeinsame Basis, die tragisch endet.

Thea Dorn nutzt verschiedene Erzählarten und -stile für die beiden Protagonisten. Johanna Mewet wird wie es in einem modernen Roman üblich ist, beschrieben und so werden auch ihre Handlungen erzählt. Johann Ritter wendet sich hingegen in seiner eigenen uns antiquiert erscheinenden Sprache direkt an den Leser. Diese Passagen wechseln sich ab und erzielen damit eine ganz eigene Wirkung. Johanna lebt einfach ihr glückliches Leben in den Tag hinein, während Johann Ritter sehr viel mehr reflektiert. Es stellt sich die Frage, wer der modernere Mensch von beiden ist.

Die Autorin hat sehr gründlich recherchiert und weiß dies sehr genau zu formulieren. Dabei nimmt sie sich zurück und es kommt nicht der Eindruck auf, dass hinter jedem Satz die Anmerkung mitschwingt, was für ein tolles Wissen sie hat. Ein wichtiges Thema ist dabei der Glaube. Was glaubt man und woran glaubt man. Johanna glaubt an die Wissenschaft und stellt irgendwann fest, dass das vielleicht doch nicht reicht und ausfüllt. Johann hat ein anderes Weltbild. Wissenschaft und göttliche Fügung schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Und bei aller Wissenschaft weiß er, dass es noch andere Wahrheiten gibt.

Der Roman selbst ist spannend geschrieben, die Charaktere und ihre Handlungen sind schlüssig. Bei allem Inhalt liest sich das Buch sehr angenehm und die Passagen von Johann Ritter sind sehr gut eingebaut. Es kommt zu keinen Brüchen, sondern es wird zusätzlich Spannung aufgebaut, denn Ritter hat in seinem langen Leben sehr viel erlebt.

Das Ende des Romans überrascht den Leser und doch eigentlich nicht. Der Leser kann seine eigenen Schlüsse ziehen, was wahr ist, was Wa

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