Der Bahnhof von Plön von Christopher Ecker

Ecker__Christoph_566000b5a79dcDer Bahnhof von Plön von Christopher Ecker. Mitteldeutscher Verlag 2016. 400 Seiten. ISBN 978-3954625307

Phineas, der Protagonist des Romans- der Autor verrät uns den Namen sehr spät – übernimmt für den „Lotsen“ seltsame Aufgaben, die so genau beschrieben werden, dass der Leser mitleiden muss.

Unmengen an Alkohol und Zigaretten trösten ihn über die Tristes des Alltags hinweg. Er lebt unter kärglichen Bedingungen mit einem Brückentroll (sic!) in einer kleinen Wohnung. Einst scheint es glanzvollere Zeiten gegeben zu haben, lange her in einer scheinbar nicht in unsere Zeitlinie gehörigen Vergangenheit. An Orten, die nicht zu unserer Welt gehört zu haben.

Phineas schreibt davon, dass er Lehrer sei. Aber niemals unterrichtet er eine Klasse. Es scheinen aus seiner Zeit und seiner Herkunft noch weitere Wesen auf der heutigen Erde zu leben. Mal ihm gegenüber neutral, mal unterstützend oder auch feindlich gesonnen. In den ruhmreichen Zeiten scheint er der Sohn eines Herrschers gewesen zu sein. Eines Herrschers über eine uns fremde Welt.

Phineas scheint besondere Fähigkeiten zu haben oder gehabt zu haben. Er benutzt die U-Bahnlinien von Paris, New York und Amsterdam, um schließlich an der Ostsee zu landen. Sein Gefühl von Raum und Zeit ist nicht das unsere.

Die Gefolgschaft des Lotsen setzt Phineas immer wieder fest, um ihn zu operieren oder unter Medikamente zu setzen, wobei nicht ersichtlich ist, ob dies geschieht, um ihm zu helfen oder zu schaden. Die Rolle des Lotsen bleibt undurchsichtig.

Die Handlung des Romans scheint nicht linear zu sein. Verschiedenste Ebenen zeigen den Protogonisten zu unterschiedlichen Zeitpunkten seines Lebens. Es ist auch nicht ersichtlich, ob die Informationen immer der Wahrheit entsprechen oder auch nur real sind. Vielleicht bildet sich Phineas auch nur alles ein, ohne zu wissen, was seine Realität ist. Personen und Handlungen sind bisweilen zu bizarr, um real zu sein, doch vielleicht gibt es die Wirklichkeit, in der der Protagonist zu leben glaubt, wirklich neben der unseren. Seine Herkunft wird nicht geklärt. Ist er der Angehörige eines mächtigen Volkes, das einst die Erde bewohnt hat und dessen Existenz nicht mehr nachweisbar ist. Oder sind es für uns fremde Wesen, die auf der Erde von einer fernen Welt oder auch Zeit gelandet sind. Oder ist es wahr, dass Phineas in einer Zeitkapsel überwintert hat? Der Autor überlässt es dem Leser, die Wahrheit heraus zu finden.

Dabei birgt das Buch sprachlich und stilistisch viele Schätze, ohne völlig verkopft abzuheben. Schöne Metaphern und eine bildhafte Sprache wechseln sich mit der nüchternen Beschreibung grauenvoller Vorgänge ab.

Das Buch fesselt den Leser. Nein, es saugt den Leser auf und läßt ihn erst mit dem letzten Satz, der uns in die richtige unsere Realität bringt, los. Ist das wirklich so oder läßt uns das der Autor nur glauben? Wer weiß…

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